Donnerstag, 7. Mai 2015

Rock’n’Roll Heart


Zu:
Peter Pongratz. Eine Retrospektive
Essl Museum
18.3.-7.6.2015
Ausstellungshalle

Anlässlich des 75. Geburtstags Peter Pongratz‘ zeigt das Essl Museum eine Retrospektive dieses bahnbrechenden Malers, dessen unbeugsamer Wille zu einer authentischen Kunst seit fünf Jahrzehnten neue Maßstäbe setzt.

 

„Im Grunde ist jedes Bild eines Künstlers, oder zumindest eines Künstlers, der malt wie ich, ein Selbstporträt …  –ob es z.B. dem Zeitgeist entspricht, ob es Mode ist oder nicht, ist eigentlich wurscht.“
Und:
„Ein Maler, der nicht bereit ist, mit seiner Kunst zu verhungern, ist kein Maler.“

Diese beiden Zitate Peter Pongratz‘, einmal aus dem im Ausstellungskatalog abgedruckten Gespräch mit Kurator Günther Oberhollenzer, einmal aus der Pressekonferenz, fassen viel von dem, was den Künstler ausmacht. Sie beschreiben einen Maler, der über 50 Jahre lang völlige Freiheit behalten hat, der absolute Authentizität lebt und malt, egal wie hoch die Kosten. Der trotz des Umstands, dass seine bahnbrechenden Ansätze eigentlich nie ausreichend gewürdigt wurden, seinen Standpunkt behielt. Peter Pongratz ist ein Künstler, wie man ihn sich wünscht, tief in der Seele, und möge es noch so naiv sein. Und wenn man diesen Künstler dann trifft und seine Kunst erleben darf, dann gibt es Gänsehaut und Lachen.
Fröhlichkeit und Hysterie und welche Emotionen sich sonst noch anbieten, sind derzeit in der Ausstellungshalle des Essl Museums im Rahmen einer Retrospektive anlässlich des 75. Geburtstags des Künstlers erlebbar. Die Werke aus 50 Jahren legen ein beeindruckendes Zeugnis von der Bandbreite seines Schaffens und von seiner völligen Kompromisslosigkeit ab, von seiner Liebe zur Malerei, zum Jazz und wohl auch zum Betrachter, der sich so unvermittelt vor etwas Wahrhaftigem finden darf. Bereits um 1960 herum bemerkte Peter Pongratz die Gefahr einer Unterwerfung unter Geschmäcker und Moden und suchte nach einer neuen, ihm entsprechenden Ausdrucksweise. Die Grundlage dafür lieferte die Freiheit, die das Informel bot und das Interesse an einer Kunst, wie sie Kinder machen: Phantasie und Gefühl sollten vorrangig sein. An diesem Punkt beginnt schließlich das Interesse für die Malerei psychisch Kranker. Später findet er ähnliche Freiheit in den Bildwerken der ozeanischen Naturvölker, die ihn auch zu Skulpturen inspirieren. Bestätigung für seine Suche nach einer unverbildeten Kunst fand Pongratz in Wien kaum. Hier war zwar die starke Tradition der Malerei nie ganz abgelegt worden, doch sie ließ zwischen den Polen des als Zwang zur Abstraktion ausgelegten Informel und der altmeisterlichen Malerei des Phantastischen Realismus nichts zu. Durch die Beschäftigung mit internationalen Strömungen, besonders der Gruppe CoBrA, fand Pongratz sich in der Richtung seiner Arbeit bestätigt und erreichte beinahe zwei Jahrzehnte bevor die „neue wilde“ Malerei in Österreich und international en vogue war, einen Stil, der zwischen Abstraktion und Figürlichkeit immer nur den eigenen Prämissen folgte und damit den vorherrschenden Strömungen einen kraftvollen Kontrapunkt setzte.  Mit der Gruppe der „Wirklichkeiten“, benannt nach der 1968 stattfindenden, von Otto Breicha angeregten Ausstellung in der Wiener Secession, fand Pongratz Mitstreiter auf der Suche nach einer authentischen Malerei. Die jungen Künstler wandten sich einer gänzlich neuen Kunstauffassung zu – zu früh für die Öffentlichkeit, die für diesen Schritt noch nicht bereit war.
Unbeirrt davon widmete Peter Pongratz sich weiterhin seinem „Soulpainting“. Ob er Blumen malt oder Schmerz und Wut, Kinderlieder in Malerei übersetzt, oder seinem Ärger über die Wiener bild- und wortreichen Ausdruck verleiht, ob Heiligenbild oder „Alice in Madland“, das Ergebnis ist ein intensiver Strudel aus Zeichen, Farben und Emotionen, in die der Betrachter gezogen wird. Die Intensität seines Schaffens bleibt bis in die Gegenwart erhalten, wie seine neuesten Werke  beweisen, mit denen Günther Oberhollenzer unter dem Titel „One Morning in May“ die Ausstellung eröffnet und die vielleicht am Stärksten die Balance zwischen Abstraktion und Figürlichkeit halten.

Der zur Ausstellung erscheinende Katalog beinhaltet unter anderem Texte von Otto Breicha und Peter Pongratz selbst. Das unangenehme und herrliche Lieben und Grausen und die vielfältigen Schauer, die einen vor den Bildern überfallen, werden hier ein wenig in Worte gefasst und man kann vielleicht verstehen, was einen da befallen hat. Wenn verstehen nötig ist.

 

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